Motivationshilfe

 
Eine kleine Geschichte die dazu dient Euch zur Unabhängigkeit zu motivieren.

Quelle:
www.i-jeriko.de
Das Märchen von der kleinen Band, die auszog, erfolgreich zu werden
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit eine tolle Band, deren Sound prima in die heutige Zeit passte, ein bisschen alternativ, aber trotzdem noch mainstreamig genug, dass es prima Anklang finden könnte. Die tolle Band war allerdings bei einem kleinen Indie-Label unter Vertrag, bei dem der Traum vom großen Geld und Erfolg in weiter Ferne liegt. Doch eines Tages kommt ein A&R-Mann, “Artist & Repertoire”, dass sind die Hunter der großen Majors, ständig auf der Suche nach neuen Talenten. Die Jungs geben vor, einer von ihnen zu sein, jung, ambitioniert, Musikliebhaber, alles um die möglichen Errungenschaften um den Finger zu wickeln. Er hört sich die CDs der tollen Band an und wittert da ein gutes Geschäft, also lässt er sie einen Deal unterschreiben. Das ist noch nicht mal ein wirklicher Vertrag, trotzdem, und das ist ja das Verrückte, es ist bindend. Einen Deal unterschrieben bedeutet späterer Vertrag, so oder so. Es sei denn, die tolle Band könnte sich aus dem verbindlichen Deal rauskaufen. Aber das können sie nicht.
Das wollen sie aber auch gar nicht, dafür klingt eigentlich alles zu toll. Sie besorgen sich einen Manager, der 15% der späteren Einnahmen für sich beansprucht. 15%, das ist vertretbar, und wenn sie keine Einnahmen haben kriegt der Manager eben auch nix. Win-Win Situation sozusagen. Versprochen werden 13% der Einnahmen pro verkaufter Scheibe. 13%! Das muss man sich mal vorstellen, selbst größere Acts bleiben meistens um 10% herum. Die tolle Band kann ihr Glück gar nicht fassen. Für das erste Jahr gibts erstmal 250.000$ Vorschuss, einfach so. Der Manager kennt da einen Publisher, bei denen weiss man nie so genau, wo das Geld eigentlich herkommt, aber man kann ja einen Anwalt über die Verträge schauen lassen, man hat es jetzt ja. Der Agent für die Tour meint, durch den neuen Vertrag mit dem Major kann man jetzt locker bis zu 2000$ pro Konzert einfahren, damit kann man ohne weiteres eine fünfwöchige Tour rechtfertigen, natürlich mit neuem, anständigem Equipment, gescheiter Crew und, oh wow!, einem eigenen Tourbus! Die tolle Band kann ihr Glück gar nicht fassen, dabei hört es gar nicht auf: Die Agentur, die für das Merchandising zuständig ist legt auch einen anständigen Betrag aus, und eines späten Abends nach etlichen Bieren beschließt man, noch ein paar Profis über das neue Equipment drüberschauen zu lassen. Und ein Video für die neue Single soll auch noch gedreht werden! Jackpot, Baby! Die tolle Band hat es geschafft.
Fünf Wochen später. Das Album ist am Start, man hat bereits sagenhafte 250.000 Kopien verkauft, die Tour war ein voller Erfolg. Und nachdem man nun alle Vorschüsse, alle Agenturen, alle Agenten, alle Dienstleistungen, das neue Equipment, die Kosten für die Aufnahmen, laufende Kosten während der Tour und alles andere beglichen hat, bleiben noch….
….4.500$ pro Bandmitglied.
Ohweh! Der tollen Band fällt gerade auf, dass sie das auch mit einem stinknormalen Job gekriegt hätten, und was ihre Musik angeht weiter ihre Freiheit gehabt hätte. Und da der Major die Band ja auch noch aus ihrem alten Vertrag herausgekauft hat bleiben von den ehemals 13% Einnahmen pro verkaufter Scheibe genau -14.000$ übrig. Besagter Major hat an der ganzen Aktion etwa 700.000$ an Gewinn gemacht und hat auch schon versprochen, beim nächsten Album einfach ein bisschen mehr Geld reinzupumpen, damit sich das Ganze auch für die Band lohnt. Und die Agentur fürs Merchandising muss ja bei der nächsten Tour auch nichts mehr auslegen, gleichwohl sich die tolle Band wundert, warum sie vom Merchandising noch keinen Cent gesehen haben. Der Traum von der dicken Kohle und dem großen Erfolg ist aber so oder so erst mal ausgeträumt.
Und in ein paar Jahren wird der Major fragen, ob sie nicht ihre Unterschrift unter einen Brief setzen können, gerichtet an die Bundeskanzlerin, in dem es um Urheberrecht und Piraterie im Internet geht. Die tolle Band findet das gar nicht so wirklich schlimm, wenn sie schon kein Geld aus dem Vertrag ziehen, dann wollen sie wenigstens, dass so viele Leute wie möglich ihre Musik hören. Sie lesen da etwas von illegal, und zur Chefsache machen, und so kann es ja nicht weitergehen, aber sie vermuten, dass es doch nur um die weitere Maximierung der Gewinne der Majors geht, und sie als Künstler vorgeschickt werden, damit es besser aussieht. Aber das sagen sie natürlich nicht. Man stellt sich ja nicht gegen seinen Brötchengeber.
Frei geschrieben nach der nüchternen Analyse der Musikindustrie von Steve Albini, bekannt als Produzent von Nirvana’s “In Utero”. Und der Mann, weiß, wovon er spricht.
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www.i-jeriko.de