Hornbläser und Verwerter (Kommentar)

Die neue Tarifstruktur der Gema ist mit vernichtender Kritik von Discothekenbetreibern versehen worden. Niggels von Uhlenbruch hat sich die Mühe gemacht die neuen Gebühren der GEMA mit den alten Tarifen zu vergleichen. Ein Blick auf die Tabelle bringt schlagartig Klarheit, warum die Clubbetreiber Sturm gegen die neue Tarifstruktur laufen.
Eine Tarifanpassung von 5-10% wäre verständlich gewesen. Sicher hätten einige Betreiber gemosert, aber so eine Anpassung wäre ohne großen Aufschrei hingenommen worden.
 
Ist der Ruf erst ruiniert .....
Nun kann die GEMA erst recht aus dem Vollen schöpfen. Es ist ja noch genug Erde für das eigene Grab vorhanden. Dadurch hat die Onlinepetition gegen die Tarifreform nun schon über 70000 Unterzeichner gewonnen.
 
Und noch eine zweifelhafte Aktion
Mit der Aktion Wir sind die Urheber ist nun eine Liste veröffentlicht worden, die nicht wenige dazu nutzen werden verschiedene Namen von ihrem Einkaufszettel zu streichen.
Aber halt, Stopp.
Wir sollten uns einig sein das Urheber für ihre Arbeit auch entlohnt werden müssen. Aber der Weg zum Ziel hat verschlungene Pfade und einige Wege führen in entgegengesetzte Richtungen. Viel wichtiger wäre eine Stärkung der Urheber gegenüber den Verwertern.
Die große Abhängigkeit von GEMA, Labels und Verlagen führt zu einer Verengung und Verknappung von Kultur. 
Die Monopolisierung von Kultur durch kommerzielle Interessen hat zu einer Art Zensur des Marktes geführt die kleine Künstler benachteiligt. Durch den kommerziellen Hintergrund wird nur derjenige von Labels und Verlagen gefördert der die Investitionen wieder einspielt und Geld in die Kassen spült.
Es ist also kein Wunder das viele Künstler sich den Gesetzen des Marktes entziehen ,ihre eigenen Nischen suchen und teilweise auch erfolgreich besetzen.
Zur Zeit findet ein Umbruch statt. 
Selbstvermarktung von Musikern, Autoren und Schriftstellern ist zur Zeit der bessere Weg. Es fallen ja auch immer weniger Kosten für die Herstellung von Medien an.
Das Homestudio ist für Musiker schon fast Usus. Also gibt es keine hohen Kosten mehr bei der Herstellung eines Albums.
Der Schriftsteller kann ohne Segen und Papier eines Verlages seine Bücher veröffentlichen. Der nervige Lector kann einem gestohlen bleiben und die Veröffentlichung ist garantiert.
 
Aber warum stehen so viele Künstler noch auf der Seite der Verwerter?
Die Sache ist ganz einfach.
Die Macht der Gewohnheit.
So wie viele in den Supermarkt gehen und immer die gleichen Produkte kaufen. 
Die Windowsnutzer, die das Betriebssystem nicht wechseln wollen, oder meinen es nicht zu können.
Die Bequemlichkeit sich an nichts Neues gewöhnen zu müssen.
Und die Angst unbekanntes Terrain zu betreten.
 
Doch die Änderung von Gewohnheiten ist unausweichlich. Es wird nichts nutzen immer in das gleiche (Verwerter)Horn zu blasen. Der Ton wird nach einiger Zeit ignoriert und überhört. Er ist zum Hintergrundgeräusch geworden. Eben, eine Sache der Gewöhnung. Keine neuen Erkenntnisse oder Überlegungen zu einem Thema zu liefern und sich als Widerkäuer zu outen wird keine neuen Impulse in die Diskussion bringen, sondern nur die Fronten verhärten.
 
Also bleibt nur eines übrig. Das Experiment der Eigenverantwortung.
Das wird nur durch bestehende Verträge verhindert. Bindung durch Exclusiverechte, Knebelklauseln und sonstiger Verbote sollten der Vergangenheit angehören.
Sollen doch Verlage und Labels um die Urheber buhlen.
So könnte die Zukunft der Künstler aussehen, wenn das Urheberrecht die Interessen der Urheber stärkt.
 
Nun? Ein neues Instrument nutzen Lernen?
Das Horn bei Seite legen?
So schwer kann das doch wohl nicht sein, oder?