Eine nicht ganz (Un)sinnfreie Betrachtungsweise eines freien Urhebers

Die Ohnmacht, oder Macht des Urhebers.
- oder die Macht/Ohnmacht der Konzerne und Verwertungsgesellschaften? Steht das Urhebergesetz für kulturelle Vielfalt, oder ist es eine Kulturbremse? Das ist erstens völliger Quark und zum zweiten trifft es genau den Kern der Sache. Warum ich nun zwei widersprüchliche Aussagen mache möchte ich hier im folgenden erläutern.
Da sind zum einen die Verwertungsgesellschaften, die für die Künstler die Rechteverwertung übernehmen, und zum anderen die Label die Künstler promoten. Beide Teile dieser Verwertungskette behaupten der Motor für die Kultur zu sein. Stimmt soweit, aber es stimmt auch wieder nicht. Zum einen versorgen die Label unsere Radio- und Fernsehsender und den Markt mit neuer Musik. Bands werden promotet und für den Musikmarkt vorbereitet.
Komponisten die den Verwertungsgesellschaften angeschlossen sind kreieren neue Melodien für verschiedene Interpreten, die der Markt nicht braucht, oder viele Fans generieren. Den Unterschied zwischen kulturtechnischer Katastrophe oder einem guten Song regelt der Markt und der Geschmack der Hörer. 
Das ist kurz zusammengefasst der Teil bei dem die Aussage des sogenannten Kulturmotors zutreffend ist und wir diese Argumentationen in vielen, teils mit vielen Worten blumig ausgeschmückten, Variationen immer wieder vorgebetet bekommen.
Viele Jahre war die Marktbeherrschung der Verwertungsgesellschaften und der Labels durch Mangel an technischem Equipment der Konsumenten gesichert. Erste Anzeichen einer Verschiebung kamen mit der Möglichkeit auf Tonbandaufzeichnungen zu machen und die Recordertaste des Kassettenrecorder zu betätigen. 
Diese Machtverschiebung wurde allerdings sehr schnell mit einer Urheberrechtsabgabe auf die Kopiermedien kompensiert und erwies sich dazu als eine gute Geldquelle. 
Der technische Fortschritt ging weiter und die Urheberrechtsabgaben wurden auf weitere Kopiermedien ausgeweitet. Soweit, so gut. Wir kennen ja fast alle die augenblickliche Situation, mit mehr oder mit weniger Verständnis.
Richtig haarig wurde es erst mit der weltweiten Vernetzung und dem Aufkommen der Kompressionsformate wie MP3, oder OGG-Vorbis.
Napster, Kazaa und andere machten den alten Strukturen den Gar-aus. Der alte Saurier Musikindustrie wehrte sich erfolgreich mit Klagen vor den Gerichten. Diese geschichtliche Entwicklung dürfte auch allen bekannt sein. 
Nun haben wir ITunes, Amazon, Spotify und andere Dienste um unseren täglichen Bedarf an individueller Klangbeschallung unserer Ohren zu decken.
Klassische Medien wie Radio und Fernsehen werden in den Hintergrund gedrängt und die Vertriebswege ändern sich. 
Der Nachteil besteht aber in den minimalen Vergütungen für die Urheber bei den neuen Streamingangeboten. Das Festhalten an den alten Strukturen hat den klassisch orientierten Unternehmen einiges an Boden gekostet.
Bei Verwertungsgesellschaften wie der GEMA ist Youtube als Gegner ausgemacht worden. Die wollen, oder können einfach nicht mehr bezahlen. Was dabei Fakt ist, ist der jeweils vertretene Standpunkt von Youtube oder GEMA. 
Die Urheber die dem bisherigen Modell, nennen wir es mal klassisch, oder gar veraltet, den Vorzug geben sind der Entwicklung hilflos ausgeliefert. 
Sie formieren sich und verteidigen ihre bisherigen Strukturen als Lobby. 
Sie wettern gegen die sogenannte Kostenlosgesellschaft und gehen zur Zeit mit Hilfe der Politik und Rechtsprechung erfolgreich gegen die letzten Tauschbörsen und Oneklickhoster vor. 
Das mag zum Teil berechtigt sein, oder auch nicht. Das ist zum einen eine Frage des Standpunktes und der persönlichen Meinung.
Nun treten aber auch Entwicklungen auf, die vor einiger Zeit von der Musikindustrie gar nicht wahrgenommen wurden. 
Mittler weise ist fast jeder Besitzer eines PCś oder sonstigem Mediengerätes in der Lage Musik, oder Videos zu produzieren. Soziale Netzwerke eignen sich hervorragend um neue mediale Inhalte an den Mann, Frau, oder Fan zu verteilen. Das Tonstudio hat ausgedient und an die Stelle teurer Produktionen tritt das Homestudio und wir als Nutzer freuen uns auf die mediale Vielfalt, auf kulturelle Fehltritte, oder auf echte Highlights in der täglichen Informationsflut. 
Die Zahl der Urheber wächst und Musik entwickelt sich vom ursprünglich intensiven Hörgenuss zum alltäglichen Hintergrundgeräusch und Ohrmuschelbeschallung. Entweder zur unangenehmen Geräuschkulisse in der U-Bahn durch Smartphones mit Gettoblasterqualitäten, b.z.w. durch überlaut eingestellte MP3 Player die mit unerträglichem Gequäke beim Gebrauch von Ohrstöpseln(Knopfbedaddelung für Trommelfelle) die Mitfahrer malträtieren. 
Damit ist Musik zu Hause im Radio, oder einer anderen Quelle die gerade verfügbar ist, überall verfügbar, allgegenwärtig und als richtiger Genuss, oder Kauffaktor in den Hintergrund getreten.
Mit dieser Entwicklung muss man als Urheber erst mal klarkommen. 
Das betrifft alle Urheber, egal was sie aus ihrer Kreativität an die Umwelt abgeben. 
Zum einen gibt es verringerte Einnahmen von Vergütungen. Die Vergütungen von Streamingportalen sind größtenteils ein Witz und rechnen sich eigentlich nur durch die Masse. 
Um einigermaßen sattelfest zu bleiben schließen Majorlabel Deals ab die manchen Urhebern die Zornesröte ins Gesicht treibt. 
Zum anderen ist das Angebot an Musik so angewachsen, das der Anteil an verfügbarem Geld durch sehr viel mehr Urheber geteilt werden muss. 
Und ein unverständliches Grausen überkommt die Verfechter des alten Modells bei der Tatsache das es Urheber gibt die ihre Musik sogar kostenlos verteilen. Ein Umstand der das Musikangebot noch einmal vergrößert und das Musikangebot in ungeahnte Dimensionen steigen lässt.
Als Kunde wird nun mehrfach überlegt was man kauft und wofür man sein Geld ausgibt.
Eine weitere Entwicklung des umfangreichen Musikangebotes ist, das der Livesektor in den vergangenen Jahren enorm an Zulauf erhalten hat. 
Das Konsumverhalten des Musikkunden hat sich vom Kauf von Festkörpern(sog. CDs) zur Informationsdatei gewandelt, die den nächsten Konzertbesuch bestimmt. 
Die Informationsflut hat uns also zu den Wurzeln zurückgeführt. Hören und Sehen wie im Mittelalter. Klingt irgendwie paradox. 
Nun kann man kann dabei ruhig von einem neuem Musikgenuss sprechen. Also weg vom täglichen Immer da hin zum Erlebnissfaktor Musik.
Der Partysektor ist in den vergangenen Jahren enorm angewachsen. Die Zahl der Clubs mit Sparten-angeboten hat sich vervielfältigt. Ü-Irgendwas, House, Jazznights, etc. boomen. 
Der Kauf der klassischen Medien ist deutlich zurückgegangen. Er wird aber durch den Zuwachs von Clubs und Livekonzerten kompensiert. Die hier zu zahlenden Abgaben für die Verwertungsgesellschaften und Labels fangen die einbrechenden Verkaufszahlen im Tonträgergeschäft wieder auf. 
Die Umsätze sind trotz P2P-Börsen nie richtig eingebrochen oder für die Label lebensbedrohend geworden. Statt dessen steigen die Umsatzzahlen stetig. 
Trotzdem sind viele Urheber, Verwertungsgesellschaften und Labels unzufrieden.
Die Ursache ist die Tradition. 
Welche Tradition mag man sich fragen wo der Musikmarkt doch völlig umgekrempelt wird. Natürlich meine ich die Tradition des Jammern, die mit der Möglichkeit begann kreative Inhalte grenzenlos zu vervielfältigen. 
Davon partizipieren aber zunehmend unbekannte Bands und generieren so Konzertbesucher. Fratzenkladde, und Youtube, bzw. andere Netzwerke sei Dank (mehr oder weniger). 
Das Jammern entsteht aus der sog. bürgerlichen, mit dem Alter zunehmenden, geistigen Horizontbeschränkung, die dazu führt das die einstigen geistigen Verfechter von freier Liebe, die Vertreter aus APO-Zeiten, oder die zur Ruhe gekommenen Blumenkindern an dem Punkt angekommen sind, an dem man sich durch Zäune oder Hecken vom Nachbarn abgegrenzt. 
Das ist nicht böse gemeint, nur der normale Verlauf der Entwicklung. Das trifft auch in manchen Punkten auf mich zu. Die Aufgabe besteht nun darin auf jede neue Herausforderung zu reagieren, wobei das für die alten Hasen des Musikgeschäftes immer schwieriger wird, den ständig wechselnden Entwicklungen hinterher zu hoppeln. 
Zudem trifft auch folgender Spruch zu: Was der Bauer nicht kennt ...
 
Ist sie das? Die Ohnmacht des Urhebers?
Oder ist es die Ohnmacht der Verwertungsgesellschaften und der Label?
Da stellen sich doch viele neue Künstler quer und verzichten auf Mitgliedschaften bei den Verwertungsgesellschaften und Plattenverträge bei den Labeln. Gleichwohl haben diese zum Teil die Dreistigkeit ihre Musik kostenlos zu verschenken. Manche fahren zweigleisig, sind evtl. nicht in der GEMA und haben sich bei der Burma oder anderen Verwertungsgesellschaften gemeldet bei denen Creative-Commons-Lizenzen toleriert werden. 
Oder sie klammern einige Rechte aus (z.B Onlinerechte) weil sie der Überzeugung sind das die Verwertungsgesellschaften nicht in der Lage sind diese Rechte im Sinne der Urheber wahr zu nehmen.

Motor und Bremse
Die (nennen wir sie mal Kulturindustrie) Labels und Verlage versuchen die Lage mit Klagen und Unterstützung der Politik wieder unter Ihre Kontrolle zu bekommen. 
Noch haben wir das Glück, oder aber auch das Pech, dass die politischen Mühlen sehr langsam mahlen. Nun ist Zeit genug mit verschiedenen Sichtweisen Position zu beziehen. 
Die GEMA hat verschiedene Kampagnen gestartet um die Rechte der Urheber der Öffentlichkeit zu vermitteln. Als Ergebnis der Öffentlichkeitsarbeit werden nun höhere Gebühren für die Clubbetreiber gefordert. Natürlich bezieht die Dehoga eine entgegengesetzte Meinung und startet eine Gegenkampagne in der vor einem Clubsterben gewarnt wird, falls die Gebühren in der Form die die GEMA festgesetzt hat, so durchgesetzt werden. 
Youtube hat auch ein lustiges Spielzeug entwickelt um die GEMA zu ärgern. Obwohl die GEMA nur 12 Titel sperren lassen wollte und sich mit dieser Forderung vor Gericht durchgesetzt hat, werden viele Videos durch ein lautloses Bild ersetzt, dessen Text uns fast allen bekannt ist. Den schwarzen Peter hat natürlich derjenige der sich darüber ärgert. Das wäre in erster Linie mal der Nutzer. In zweiter Linie sind es die Label, die Werbung für ihre Bands machen wollten, indem sie die Videos auf Youtube hoch geladen haben. Dann natürlich die Künstler denen nun die Werbung für ihre Songs und Konzerte verlorengeht.
Also stellt sich immer noch die Frage wer den Motor ankurbelt und wer bremst.
 
Als Vergleich stelle man sich das Cockpit eines Jumbojets vor hinter dem 100te von Leuten sitzen, die der Meinung sind sie könnten die Instrumente besser bedienen, als ein anderer der ebenfalls keine Ahnung hat wie man die Technik bedient. Und die Urheber sind die Passagiere. 
Fährt man als Urheber nicht lieber Fahrrad, dessen Technik beherrschbar ist und niemand da ist der einem in den Lenker greift? 
Der schleichende Plattfuß, der den freien Urheber überrascht, ist nun die Gemavermutug. Diese setzt voraus das alle Komponisten einer Verwertungsgesellschaft angehören. Somit fordert sie Gebühren für Musik. Und das mal grundsätzlich! 
Es sei der der Urheber ist bekannt und es besteht ein Beweis, das er nicht in der GEMA, oder einer Verwertungsgesellschaft angehört mit der die GEMA Verträge abgeschlossen hat. 
Fehlt der Beweis, z.B ein Bürgerlicher Name und eine dem Namen unverwechselbare Adresse, (Namensgleichheit) hat die GEMA, durch deutsche Gerichte bestätigte Urteile, das Recht den Fahrradfahrer ohne Reifen weiterfahren zu lassen. Die Möglichkeit unerkannt und anonym zu Fuß weiter zugehen bleibt einem ja erhalten wenn man Name und Adresse nicht preisgeben will. 
Dafür hat man als Fußgänger die einmalige Gelegenheit den Kurs eines schlingernden Jumbojets zu beobachten und darauf zu spekulieren wie die Landung, egal wo der Flug hinführt, wohl aussehen mag.
 
Ist man nun als Urheber zum AA-Gucker verdammt? Nö, man kann auch seinen eigenen Haufen legen. 
Mal sehen wohin uns dann der gleichzeitige Gebrauch von Gas und Bremse hinführt.